USA - Hawaii, Maui

Meine Mau'i Story

Mein Trip nach Mau'i war leider nur ein verlängertes Wochenende während eines meiner vielen Aufenthalte in Santa Clara: Anreise Freitag Nachmittag, Rückreise Montag Nacht, Ankunft Dienstag Morgen und dann gleich ins Büro ... nur ja nichts von der Erholung rüberretten in den Alltag. Und dabei begann der Streß gleich am Airport in San Jose: Der Zubringerflug nach Los Angeles hat zunächst eine Stunde Verspätung - wegen des schlechten Wetters in LA - und das bringt mich bei einer Umsteigezeit von 70 Minuten ganz schön ins Dilemma. Und natürlich bleibt es schließlich nicht bei der Stunde, und die Maschine nach Kahului (Hauptstadt von Mau'i) ist natürlich pünktlich. Zu allem Überfluß ist dies die einzige American Airways Verbindung von LAX oder auch San Francisco aus nach Mau'i und sogar nach Hawai'i. Obwohl ich ein Billigticket besitze, bieten sie mir an, dieses kostenlos (das ist einfach wirklicher Kundendienst) auf den gleichen Flug am Samstag umschreiben. Was bei dem gedrängten Programm so ziemlich das letzte ist, was ich dann noch möchte. Nach knapp 50 Minuten am Handy komme ich sogar bei AA's Call Center zu einer menschlichen Person, der ich das Problem schildern kann. Zuvor waren vor allem künstliche Ansagen (für Auskunft drücken Sie die 1, für Infos drücken Sie die 2, etc.) dran und dann wieder AA-Menschen, die leider nicht in der Lage seien, dieses Problem irgendwie zu lösen. Immerhin - es scheint bei AA dann doch mindestens eine Person zu geben, der die Kunden am Herzen liegen. Die Lösung liegt nämlich auf der Hand: Es gibt eine Partner Airline - die Hawaiian Airlines - die noch einen kaum besetzten Flug von LAX nach Honolulu anbietet, und von dort aus den Weiterflug nach Kahului. Ankunft ist dann so ca. um 23:30, aber immerhin noch im Rahmen des Erträglichen.

Angekommen - mit allen positiven Vorurteilen behaftet - erweist sich Mau'i einfach zunächst mal als warm aber regnerisch, nein, eigentlich hat's geschüttet. Die kurze Fahrt zum Appartement in Maalaea ist in einer solchen Nacht auch nicht gerade aufschlußreich.. Dieses hatte ich über Internet gebucht, weil mir die Hotels (Angebot der Reisebüros: ab $ 700 für drei Nächte, manchmal sogar mit einem Compact Car) einfach zu teuer waren, vor allem außerhalb jeder Reisesaison Anfang Dezember. Und Angebote gibt's zu hunderten im WWW, teilweise sogar mit Fotos. Am nächsten Morgen - ich hatte immer noch meine Erkältung - versuche ich erst mal Erwin zu seinem 60. Geburtstag zu gratulieren (eigentlich wollten wir ja gemeinsam hierher kommen, er für den Hawai'i Marathon, ich zum Spaß), aber dann hat er sich halt zu spät entschieden und läuft sich jetzt in Athen warm. Das Wetter scheint grausam zu sein - starker Wind. Ich bleibe somit noch etwas im Bett und bin enttäuscht. Aber irgendwann muß ich halt mal frühstücken und stelle fest, daß es zwar windig ist (an der Stelle der Insel zwischen den beiden Bergen kein Wunder), jedoch traumhaftes Wetter mit ebenso traumhaften Temperaturen herrscht. Also auf - kurzes Frühstück in einem Coffee Shop in Kahului (hier gibt's wirklich niedliche Espresso Tassen wie sonst nirgends in dieser Kette in den USA) und weiter nach Hookipa.

Dieser Spot war mir seit zig Jahren im Kopf herumgespukt - DAS Surf-Mekka überhaupt. Mit Robby Naish und den vielen anderen. Gleich kurz hinter Kahului ist es dann so weit. Von weitem gar nicht so spektakulär wie erwartet, nur die Brandung ist verteufelt gut überall. Bis ich dann wirklich da bin: Wellen in der Höhe von etwa 4 m, guter Wind und ein Haufen Windsurfer, die alles beherrschen, was ich so aus der Surf gesehen habe. Da meint der eine: 'Der Vorwärtsloop ist gar nicht zu schwierig - Du brauchst bloß Deine Arme so zu bewegen und schon bist Du rum!' Ich hab's trotzdem nicht versucht, bin aber einige Stunden einfach dageblieben - rein aus Faszination.

Der Rest des Tages gehört dann dem Vater der Insel, dem über 3000 m hohen Haleakala - natürlich auch ein Vulkan, aber momentan nicht aktiv. Die Auffahrt ist interessant - jede Menge unterschiedliche Vegetation und es geht immer (wirklich) stetig bergan. Diese Streckenführung ermöglicht findigen einheimischen Agenturen einen Downhill Ride auf sog. Mountain Bikes anzubieten, bei dem man zwar nicht treten muß, aber am Ende wohl einen Krampf in den Fingern hat (ich kann das nachempfinden, nach meiner Großglockner-Tour). Nachdem ich aber das Material gesehen habe, entscheide ich mich postwendend dagegen (ist doch sehr touri und wenig exciting).

Der Krater oben ist phantastisch - riesig (10 x 4 km), viele Farben, kleine Kraterchen im großen - aber saukalt. Und es bläst ein Sturm, so daß ich kaum die Kamera halten kann. Trotz Vorwarnung aus den Reiseführern und Mitnahme eines Pullis habe ich selten so gefroren wie hier. Und da könnte man tagelang durch den Krater und den Nationalpark wandern (unbedingt voranmelden, sonst sind die Lodges voll).

Abends schaue ich noch bei einem weiteren must see vorbei, der Iao Needle im Iao Valley (gleich neben Wailuku, der Zwillingsstadt von Kahului). Wie es heißt, sei hier der zweit nasseste Spot der Erde (der wettest spot liegt auf Kaua'i, und der wird dort beschrieben) - und die Vegetation sieht entsprechend aus: Jede Menge unterschiedliche Arten von Grün, Pflanzen auf allen Felsen. Die Needle selbst ist dann eher enttäuschend, nur wichtig wegen ihrer Funktion als Heiligtum der Ureinwohner.

Der Sonntag gehört dem Osten, mit der berühmten Straße nach Hana. Eigentlich ist es gar nicht so weit; aber wenn man alle paar hundert Meter um einen Lavaausfluß fahren muß, und das auf einer teilweise fast nur einspurigen Straße, dann zieht sich das schon so einige Stunden hin. Was vor allem dann bedenklich ist, weil ich mal wieder vorausberechnet habe, daß ich mit dem Tankinhalt leicht bis Hana kommen müßte. Es hat zwar funktioniert, aber ich war ganz schön durchgeschwitzt - es gibt halt auf der ganzen Strecke keine Ortschaft oder auch nur eine 'Gas-Station'. Hana entpuppt sich als das Paradies: Sonne, Meer, Wellen, Palmen, Ruhe, Beschaulichkeit vor dem gigantischen Haleakala. Und dabei entdecke ich noch einen Garten, der mit zig mannsgroßen Weinachtsgestalten geschmückt wird - ganz besonders nett ist der Schneemann in dieser Umgebung. Die Hausbewohner sind ganz stolz auf die Deko und freuen sich, daß ein Ausländer dieses Motiv filmt und fotografiert. Im Gespräch erfahre ich, daß Hana der einige Ort ist, wo es sich zu leben lohnt: 'I was born here, then life turned out to be too dull. But after experiences all over the US, I decided to return - the only place in the world, worth while living at!' Mehr braucht nicht gesagt zu werden. Dieses Gefühl hat wohl auch Charles Lindbergh dazu veranlaßt, die letzten 9 Jahre seines Lebens hier zu verbringen.

Weiter geht es bis zu den seven sacred pools - einer zauberhaften Ansammlung von Wasserfällen mit glattgeschliffenen Felspools. Von hier aus führt ein Wanderweg den Ohe'o Gulch entlang; nach ca. 15 Minuten Fußmarsch ist ein erster großer Wasserfall erreicht - aber von dort aus geht's noch eine knappe Stunde weiter. Und die ist es wirklich wert: Ich habe noch nie einen Bambuswald durchquert, mit Bambusbäumen, die gut 15 m hoch sein müssen und keinen Sonnenstrahl durchlassen. Dafür spielen sie ihre eigene Melodie - sie klingen durch die Bewegung und das dauernde Anstoßen - eine wirklich unwirkliche Welt. Ende der Wanderung ist natürlich an einem der vielen riesigen Wasserfälle in einer Schlucht.

Die Weiterfahrt an der Südküste ist offiziell für Mietautos gesperrt; eigentlich hätte sie mich schon gereizt, aber die Nacht stand an, und im Falle einer Panne, auf der Schlaglochstrecke nicht ganz unwahrscheinlich, hätte ich dann wohl sehr alt ausgesehen ... so geht's halt den ganzen Weg retour.

Am Montag nehme ich mir den Westen der Insel vor. Gleich morgens breche ich auf, um am Papawai Pt zu versuchen, einige Wale in freier Wildbahn zu beobachten. Aber der Termin ist wohl noch zu früh im Jahr - es ist nichts zu sehen. Je weiter dann Lahaina kommt, desto mehr nimmt Mau'i die Struktur einer Ferieninsel mit allen touristischen Raffinessen an. Also wird mein Ausflug immer schneller, und ich konzentriere mich auf den Nordteil der Insel. Auch hier mußte ich beim Mieten des Autos unterschreiben, diese Straße nicht zu fahren. Sie erweist sich aber als äußerst sehenswert und natürlich fahrbar (es gibt zwar einige einspurige Stellen, die auch an Felswänden entlang führen, aber notfalls muß man halt einige hundert Meter rückwärts fahren, bis zu einem Ausweichplatz). Mau'i hat hier einen völlig anderen Charakter, auch ein anderes Klima. Es ist alles weitaus weniger tropisch - fast schon manchmal an schottisches Highland erinnernd. Es gibt viel Landwirtschaft und jede Menge schöne Fleckchen Erde. Schließlich steigt die Straße immer weiter an, bis sie bei Camp Maluhia einen tollen Ausblick auf Kahului und die gesamte Bay zuläßt. Die Strecke ist zu empfehlen, wenn man sich über das Verbot wegsetzt.

Der Rest des Montags war dann nur noch der reinen Erholung gewidmet - etwas Relaxen am Strand, Kurzbesuch bei den Surfern (nicht Windsurfer, sondern 'richtige' Surfer diesmal) in Hookipa, und schließlich noch der krönende Abschluß - der Helikopterflug über den Ostteil. Leider bekomme ich um diese Zeit keine Auswahl an Anbietern oder Routen mehr und muß deshalb nur mit der verkürzten Strecke vorlieb nehmen. Aber auch dies ist ein faszinierendes Erlebnis - der Haleakala von oben, 'Abstieg' über die Südflanke, Umkurven des zerklüfteten Massivs im Osten und Rückflug - am Anwesen von George Harrison vorbei - nach Kahului.

Jedenfalls bin ich schon am Airport und mal rechtzeitig da für den Rückflug über Nacht nach LA und Santa Clara. Und um 8:30 bin ich wieder im Büro.

Dieses Wochenende hat mich überzeugt, daß ich alle Inseln im Lauf der Zeit kennenlernen möchte.