USA - Hawaii, Kauai

Intro und Beschreibung

Kaua'i, die älteste Insel des Archipels (liegt demnach also am nordwestlichen Rand der Inselgruppe) ist touristisch bei weitem nicht so berühmt, wie etwa Mau'i. Vielleicht hat sie gerade deshalb ihren großen Reiz behalten.

Sie diente in der Vergangenheit durch ihre landschaftliche Schönheit und Vielfalt vielen großen Filmen als Kulisse - wie etwa auch Jurassic Park. Der Westen der Insel ist nahezu unzugänglich; nur Wanderer (Permit einholen) können die berühmte Na Pali Coast mit ihren tiefen Schluchten und zerklüfteten Felswänden besuchen. Dabei ist für die Tour vom nord-westlichsten Punkt bis etwa Mitte der Insel und zurück mit mehreren Tagen (!) zu rechnen. Kleinere Touren von etwa 4 Stunden oder einem Tag führen zu einer ersten Bucht - wobei man auf dem Weg schon unglaubliche Blicke auf die Küste genießen kann - oder in das angrenzende Tal mit dem abschließenden Wasserfall.

Wasser ist überhaupt die Domäne der Insel. Sie beherbergt den 'wettest spot on earth', also den Platz mit den meisten Niederschlägen. Hier regnet es jährlich mehr als 13000 mm (zum Vergleich: Deutschland etwa 700 mm, dort also etwa 20 mal so viel). Dies ist der Krater, der von den beiden Spitzen Waialeale und Kawaikini gebildet wird. 'Besucht' kann dieser Krater nur per Helikopter werden - aber das ist den Flug allein schon wert. Der Anflug geschieht durch eine senkrechte Spalte im Felsen, wohl durch ausströmende Lava gebildet, und dann befindet man sich inmitten eines Kessels mit vertikalen Wänden, an denen zig Wasserfälle senkrecht in die Tiefe stürzen.

Zwei weitere Sehenswürdigkeiten sind ein Muß beim Besuch. Da ist zunächst der Grand Canyon des Pazifik, der Waimea Canyon. Er wurde wegen seiner Größe und Farbenpracht von Mark Twain so genannt. Die Anfahrt beginnt in Waimea (da gibt es neben dem kleinen lokalen Supermarkt eine ganz feine Espresso-Bar; auch ein Muß) oder 4 mi weiter in Kekaha. Die schönere Strecke beginnt in Waimea. Schon nach den ersten Serpentinen kann man sich vorstellen, was einen erwartet: die Schlucht ist einfach riesig in die Felsmassive geschnitten. Bei etwa 1100 Metern Höhe hat man den ersten und besten Aussichtspunkt, den Puu Ka Pele, erreicht. Hier offenbaren sich die Ausmaße des Canyons. Für alle, die den Grand Canyon schon vom South Rim aus gesehen haben, ist die Ähnlichkeit - mit den vielen Rot-Tönen - einfach frappierend. Frappierend auch, daß allenthalben die Helikopter unter uns die Runden durch den Canyon drehen: erst da werden die Ausmaße deutlich. Und - wie gesagt - der Flug ist ein einmaliges Erlebnis. Er zeigt die bizarren Formen, die scharfen Felskanten und Abrisse noch viel deutlicher, als die Aussichtspunkte.

Nicht viel weiter - fast am Ende der Straße - folgt dann der spektakulärste Blick auf der Insel: die Aussicht ins Kalalaua Valley, dessen Felswände aussehen, als wären sie von einem Riesen gefaltet worden. Faszinierend auch die verschiedenen Farben, die sich durch das schnell wechselnde Wetter ergeben: war gerade noch blauer Himmel mit etlichen weißen Wölkchen, so kann es einige Minuten später schon regnen und einen prächtigen Regenbogen über dem Felsmassiv geben. Der 'wettest spot on earth' ist ja nur einige wenige Meilen entfernt. Unbedingt sollte noch eine kleine Fußwanderung angeschlossen werden, die am oberen Ende des Kalalaua Valley entlang führt. Auch wenn sich der Blick nicht deutlich ändert, so sieht man durch die unterschiedlichen Winkel immer neue Schönheiten dieser bizarren Landschaft.

Im Süden liegt ein weiteres kleines Naturwunder: das Spouting Horn. Hier ist eine Felsküste, die durch die stetigen Wellen ausgehöhlt wurde und in einem Fall ein unterirdisches Rohr freilegte, in das das Wasser mit Wucht einströmt und senkrecht - wie bei einem Geysir - entweicht. Im Gegensatz zu Geysiren ist aber dieses Spektakel immer vorhanden.

Der Osten der Insel besitzt malerische Strände - eine Unmenge davon. Einige davon offerieren wunderschöne Blicke auf ein weiteres Highlight der Insel, den Sleeping Giant. Dieser Felsblock ist - entsprechend einer Sage der Ureinwohner - ein Riese, der die Insel erschaffen habe. Danach habe er sich zum Schlaf niedergelegt und wurde von dem damals die Insel bevölkernden Zwergenvolk so mit Steinen bombardiert, daß er sie im Schlaf verschluckt hat und nicht mehr aufwachte. Na ja, auch eine geologische Erklärung.

Auf der Fahrt weiter in den Norden passiert man in Kilauea das Lighthouse, den nördlichsten Punkt aller Hawai'ianischen Inseln. Interessant ist die Stelle vor allem wegen der Vögel, die hier in Scharen die Felsen bewohnen. Etwas abseits der Straße liegt die Guaya Kai Plantation, in der einheimische Produkte (Marmeladen, Gelees, etc.) verkauft werden. Sehenswert ist aber vor allem die kleine, liebevoll gepflegte Parkanlage mit Unmengen von einheimischen Blumen und Pflanzen.

Weiter die Inselstraße entlang sieht man immer linkerhand die dicken Wolken, die das zentrale Massiv einhüllen. Es ist einfach unglaublch, wenn man die schwarz-grauen Regenwolken sieht, daß nur einige Meilen weiter blauer Himmel und Sonnenschein ist. Dieser Gegensatz wird ganz besonders im hübschen Fleckchen Hanalei deutlich. Neben der Kirche mit den für den Pazifik wohl unüblichen Fenstergemälden liegt ein schöner Park mit hohen Palmen, meist im Licht der Sonne gegen den dunklen Hintergrund der Berge.

Und dann sind wir bald am Ende der Straße angelangt, dort wo nur noch die Füße ins Na Pali Valley weiterführen.