Sicherheit

Die massiv gestiegene Anzahl von Entführungen Ende 98 und Anfang 99 hat zu verstärkter Aufmerksamkeit der Presse bezüglich der Sicherheit von Reisenden geführt. Auch wenn die Entführungen schon in den Jahren zuvor relativ oft vorgekommen waren, so war es doch die Häufung, sowie der unglückliche Ausgang einer Entführung, die den Jemen in die Schlagzeilen gebracht haben.

Die Entführungen sollten in fast allen Fällen dazu dienen, Geld von der Regierung für lokale Infrastrukturprojekte zu erpressen. Diese Entführungen sind alle unblutig verlaufen. Sie demonstrieren eigentlich das noch mangelnde Demokratieverständnis der lokalen Sheikhs und Stämme. Erst die politisch und fundamentalistisch begründete Entführung der Gruppe von Amerikanern, Engländern und Australiern, die mit einem Desaster endete, änderte die Situation dahingehend, daß die Regierung jetzt massiv gegen jede Bedrohung von Touristen vorgeht und exzessive Vorsorgemaßnahmen getroffen hat.

Dies ist auch der Grund für die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, die überall zu sehen sind: Häufige Checkpoints unterbrechen die Fahrten; Fahrten im Konvoi (etwa zwischen Sana'a und Marib), bewaffnetes Begleitpersonal im Landcruiser und / oder in Begleitfahrzeugen - an diese Situationen gewöhnt man sich, auch wenn wir uns eigentlich zu sehr bewacht gefühlt haben. Ob diese Maßnahmen wirklich zielführend sind, kann manchmal bezweifelt werden. Immerhin ist die Anzahl der Entführungen wieder zurückgegangen (oder vielleicht hat sich die Presse auch schon daran gewöhnt...).

Besonders von Bedeutung ist die Kompetenz des lokalen Veranstalters vor Ort. Er muß sowohl mit dem Innenministerium Kontakt halten als auch mit den lokalen Verhältnissen tagesaktuell vertraut sein. Die beiden erwähnten Agenturen erfüllen diese Voraussetzungen.

In drei Fällen waren wir gezwungen, aus Sicherheitsgründen von der geplanten Route abzuweichen. Da war zunächst der Besuch in Baraqish - das zu nahe am berüchtigten Wadi Jauf liegt, dann das Wadi Yishbum, woher die Verantwortlichen für die blutig beendete Entführung im Januar kamen (und gerade zu dem Zeitpunkt, als wir es besuchen wollten, hingerichtet wurden) und eine Durchfahrtsverweigerung auf der Straße von Sana'a nach Sadah, wo ein Sheikh wieder durch besonders überzogende Forderungen auf sich aufmerksam machen wollte. Gerade im letzten Fall sind wir sicher, daß noch vor einigen Monaten diese Situation noch nicht mal als kritisch erwähnt worden wäre. Die Reaktion zeigt aber auch deutlich die Absicht der Regierung, auf keinen Fall mehr ein Risiko einzugehen.

Diebstahl scheint es nicht zu geben. Ich habe öfter auch mal eine Kamera oder eine Tasche kurzfristig liegen lassen; grundsätzlich völlig problemlos, was ich in keinem anderen Land der Welt so machen würde.