Kurzinformation:
Fläche: 527968 km2
Einwohner: (2000) 17,479 Mio.
Hauptstadt: Sanaa, ca. 1 Mio Einwohner
Verwaltungsgliederung: 17 Provinzen
Amtssprache: Arabisch
Nationalfeiertag: 22.5. (Tag der Republik von 1990)
Währung: 1 Jemen-Rial (Y. Rl) = 100 Fils
Zeitzone: MEZ + 2 Stunden
Botschaft der Republik Jemen: Rheinbabenallee 18, Berlin
fon 030 89 73 05-0
fax 030 89 73 05-62
e-mail: botschaft-jemen@freenet.de
Staatsform: Islamische Präsidialrepublik seit 1991 - Verfassung von 1994, geändert 2000 - Parlament (Majlis al-Nuwaab) mit 301 Mitgliedern, Wahl alle 6 J. - Direktwahl des Staatsoberhaupts alle 7 Jahre (einmalige Wiederwahl) - Wahlrecht ab 18 Jahre.
Staatsoberhaupt: Ali Abdallah Saleh
Regierungschef: Abdel Kader Bajamal
Äußeres: Abubakr al-Kirbi
(Yemen, amtlich arabisch Al-Djumhurijja al-Jamanijja; deutsch Republik Jemen), Staat in Vorderasien, im Süden der Arabischen Halbinsel; grenzt im Westen an das Rote Meer, im Norden an Saudi-Arabien, im Osten an Oman und im Süden an den Golf von Aden. Zum Staatsgebiet gehören die Koralleninseln Kamaran im Roten Meer, die vulkanische Insel Perim in der Meerenge Bab el-Mandeb sowie die Inselgruppe Sokotra vor dem Osthorn Afrikas.
Staat und Recht: Nach der Verfassung vom 28. 9. 1994 (2001 revidiert) ist Jemen eine islamische Republik mit Präsidialregime. An der Spitze von Staat und Exekutive steht der auf fünf Jahre direkt gewählte (einmalige Wiederwahl möglich) und mit weitgehenden Kompetenzen versehene Staatspräsident. Er ernennt den Ministerpräsidenten und das Kabinett. Die Gesetzgebung liegt beim Parlament, dessen 301 für vier Jahre gewählte Mitglieder (aktives und passives Wahlrecht auch für Frauen) auf das islamische Recht verpflichtet sind. Die am 20. 2. 2001 durch Referendum gebilligte Verfassungsreform sieht eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten auf sieben Jahre und eine Ausweitung seiner Komptenzen (z. B. Recht auf Parlamentsauflösung) sowie eine Veränderung der Legislaturperiode des Parlaments auf sechs Jahre vor. Ferner soll eine zweite Parlamentskammer (111 vom Präsidenten ernannte Mitglieder) gebildet werden. Wichtigste der über 40 Parteien sind der Allgemeine Volkskongress, die Jemenitische Vereinigung für Reform (Islah), die Nasseristische Unionistische Volkspartei und die Arabische Sozialistische Baath-Partei.
Landesnatur: Jemen nimmt den südwestlichen Hochgebirgskern der Arabischen Halbinsel ein. Am Roten Meer liegt die schwülheiße Tihama (eines der heißesten und schwülsten Gebiete der Erde), eine 40-70 km breite, halbwüstenhafte Küstenebene. Ihr folgt mit einem regenreicheren Steilanstieg das größtenteils aus vulkanischen Trappdecken aufgebaute Hochland von Jemen (2 000-2 500 m über dem Meeresspiegel), an dessen Westrand der Nabi Schuaib, mit 3 760 m über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung der Arabischen Halbinsel, aufragt. Eine intensive Landnutzung und relativ dichte Besiedlung machen es zum Kernraum des Landes. Weiter nach Osten senkt sich das Hochland allmählich zur vollariden Sandwüste Rub al-Chali. An der ebenfalls schwülheißen Küste des Golfes von Aden breiten sich, soweit sie nicht Steilküste ist, zum Teil Lavafelder mit aufgesetzten Vulkankegeln aus: Stadt und Hafen Aden liegen in einem aus Schlacken bestehenden Doppelkrater. Mit einer markanten Bruchstufe erhebt sich aus dieser Küstenebene die Arabische Tafel, die im Norden vom Djol, einem überwiegend aus tertiärem Kalkstein aufgebauten Hochplateau (bis 2 185 m über dem Meeresspiegel) gebildet wird. Dieses ist von tiefen (über 300 m), steilwandigen Wadis (größtes ist das Wadi Hadramaut) zerschnitten und senkt sich nach Norden zur Rub al-Chali.
Bevölkerung: Den Hauptteil der Bevölkerung bilden Araber, die in der Küstenebene Tihama wie auch in den Oasen des südlichen Jemen einen stark negriden Einschlag zeigen, der auf die alten Beziehungen zu Ostafrika hinweist. Im Wadi Hadramaut wiederum ist der malaiische Einschlag unverkennbar; Inder und Somal haben sich an der Küste zum Golf von Aden niedergelassen. In der Tihama und am Gebirgsfuß lebt die Landbevölkerung in geschlossenen Dörfern, im westlichen Randgebirge wohnen die Bergbauern in mehrstöckigen Wohntürmen. In den städtischen Siedlungen sind die bis zu acht Stockwerke hohen, aus Lehmziegeln erbauten Häuser oft ornamental weiß verziert (z. B. Sanaa, Schibam). Weniger als 10 % der Bevölkerung sind Nomaden. Die genaue Zahl der als Arbeitsmigranten im Ausland lebenden Jemeniten ist nicht bekannt, viele mussten nach dem 2. Golfkrieg wieder in ihre Heimat zurückkehren. - Der Islam ist Staatsreligion und bildet mit 99,9 % das Bekenntnis nahezu der gesamten Bevölkerung; über 61 % sind Sunniten (v. a. in der Tihama und im Süden), rund 38 % Schiiten (Saiditen; v. a. im Hochland). Die verschwindende christliche Minderheit ist auf die v. a. im Süden lebenden Ausländer, die kleine hinduistische Gemeinde auf die ebenfalls dort niedergelassenen Inder beschränkt. - Es besteht Schulpflicht vom 8. bis 15. Lebensjahr. Die Analphabetenquote beträgt 59,9 %. - Die Einschulungsrate beträgt im Landesdurchschnitt 55 % (bei den Jungen 71 %; im Norden ist sie geringer). Universitäten bestehen in Sanaa (gegründet 1970) und Aden (gegründet 1975). Lehrkräfte an allen Bildungseinrichtungen sind zum großen Teil Ausländer.
Wirtschaft und Verkehr: Die Republik Jemen ist, gemessen
an ihrem Sozialprodukt, wesentlich geringer entwickelt als ihre Erdöl
exportierenden arabischen Nachbarländer. Bedeutendster Wirtschaftszweig
ist die Landwirtschaft, in der ein Großteil der Erwerbstätigen
in meist kleinbäuerlichen, 3-5 ha großen Betrieben arbeitet. Angebaut
werden v. a. Hirse, daneben Weizen, Gerste, Sesam, Mais, Hülsenfrüchte,
Weintrauben, Gemüse, Tabak; der Nahrungsmittelbedarf kann damit nicht
gedeckt werden. Baumwolle wird auf entsalzten Böden der Tihamaebene angebaut;
der Kaffeeanbau ging wegen des vermehrten Anbaus von Kathsträuchern zurück.
(Für die Volkswirtschaft bedeutet der Kathgenuss der Bevölkerung
ein ernstes Problem; ein hoher Prozentsatz der über 10 Jahre alten männlichen
Bevölkerung ist süchtig und daher nicht voll arbeitsfähig.)
Bedeutung hat die Weidewirtschaft der Beduinen (Ziegen, Schafe, Rinder, Kamele
und Esel). Im Roten Meer und im Golf von Aden werden Fischfang und Perlenfischerei
betrieben. Größte Industriebetriebe sind die Erdölraffinerie
in Aden und die Textilfabriken in Sanaa. Es dominiert das traditionelle Handwerk
(Schmieden, Gerbereien, Lederverarbeitung). Seit 1984 wird im Nordosten bei
Marib, seit 1987 im Süden bei Schabwah Erdöl gefördert. Die
Handelsbilanz ist ständig defizitär.
-Das Straßennetz (Gesamtlänge der asphaltierten Straßen:
5 527 km) konzentriert sich auf die Küstenregionen. Al-Ahmadi bei Hodeida
am Roten Meer und Aden im Süden sind die wichtigsten Überseehäfen
des Landes. Internationale Flughäfen haben Sanaa, Taiz, Makalla, Sayun,
Hodeida und Aden; nationale Fluggesellschaft: Jemen Airways.
Geschichte:
Altertum bis 19. Jahrhundert:
Im Altertum wegen seiner fruchtbaren Täler Arabia felix ("glückliches
Arabien") genannt; die im 5. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Reiche
von Saba, Main und Kataban vereinigten sich im 3. Jahrhundert n. Chr. unter
der Führung von Saba. Im 6. Jahrhundert n. Chr. zwischen Äthiopien
und Persien umkämpft, kam das Gebiet 632 zum Kalifat, aus dessen Herrschaftsbereich
sich Jemen seit Ende des 9. Jahrhunderts zu lösen begann. 901 gründeten
die Saiditen (Schiiten) das Imamat. 1174-98 stand Jemen unter aijubidischer,
1517 und 1538-1635 (Aden, Lahedj) sowie 1849-1918 unter osmanischer Herrschaft
(Sanaa, ab 1517 autonomes Sultanat, nur 1872-90). Danach verstärkt getrennte
Entwicklung von Nordjemen und Südjemen.
Nordjemen:
1911 Anerkennung des Imam Jahja (seit 1904; ermordet 1968) als Herrscher durch
die Türken, 1918 Umwandlung des Imamats in ein Königreich. Mit dem
Vertrag von Taif erkannte Saudi-Arabien im Mai 1934 die Unabhängigkeit
an. 1945 Gründungsmitglied der Arabischen Liga. 1958-61 föderatives
Mitglied der Vereinigten Arabischen Republik; 1962 Sturz des Imam Ahmed (seit
1948) durch einen Militärputsch und Ausrufung der Arabischen Republik
Jemen durch A. as-Sallal (* 1917, 1994; Präsident bis 1967). Der
darauf folgende Bürgerkrieg zwischen Republikanern (unterstützt
von Ägypten) und Anhängern der Monarchie (bis 1967 unterstützt
von Saudi-Arabien) um Imam M. al-Badre (* 1920) endete erst 1969/70 mit dem
endgültigen Sieg der Republikaner. 1974 kam es zu einem unblutigen Militärputsch,
Präsident wurde Oberst I. al-Hamidi (ermordet September 1977), danach
H. al-Ghasmi (ermordet Juni 1978); im Juli 1978 übernahm A. Abdullah
Saleh (* 1942) dieses Amt.
Südjemen:
Aden gehörte 1839-1937 als Protektorat zu Britisch-Indien, 1947 wurde
es britische Kronkolonie; 1959 föderativer Zusammenschluss der Emirate
im ehemaligen britischen Protektorat, 1963 Beitritt als Staat "Aden"
zur "Südarabischen Föderation". Dem Umsturz im September
1967 in zahlreichen Emiraten folgte die Unabhängigkeitserklärung
im November 1967 und der Abzug der britischen Truppen; Umwandlung in einen
kommunistischen Einheitsstaat (VR Südjemen, seit 1970 Demokratische Volksrepublik
Jemen), seit 1978 unter der Einparteienherrschaft der Jemenitischen Sozialistischen
Partei; Präsident wurde im April 1980 A. Nassir Muhammed (* 1944); Januar
1986 Bürgerkrieg und Flucht des Präsidenten nach Nordjemen, im Februar
1986 wurde H. Abu Bakr al-Attas (* 1939) neuer Staatschef.
Vereinigter Jemen:
Nach offenen Feindseligkeiten (1970/71) kam es zu Vereinigungsverhandlungen
1972 (Grundsatzvertrag, erneuert 1979), 1977, 1981 (Koordinierungs- und Kooperationsabkommen)
und 1989 (Bildung eines Vereinigten politischen Organisationskomitees), die
am 22. 5. 1990 zum Zusammenschluss beider Jemen führten, wodurch erstmals
ein einheitlicher Nationalstaat Jemen, die Islamische Republik Jemen, entstand;
erster Präsident wurde Saleh. Im Mai 1991 billigte die Bevölkerung
eine Übergangsverfassung. Die politische Unterstützung des Irak
im 2. Golfkrieg (Folge: Ausweisung jemenitischer Gastarbeiter aus Saudi-Arabien)
sowie der Einstrom somalischer Flüchtlinge 1991/92 brachte das Land in
große wirtschaftliche (hohe Arbeitslosigkeit und Inflation) und politische
Schwierigkeiten (u. a. blutige Kämpfe im November 1992). Die nach den
ersten Parlamentswahlen seit der Vereinigung (27. 4. 1993) gebildete Koalitionsregierung
bemühte sich um eine Stabilisierung des Landes. Verschiedene noch stark
wirksame Konfliktpotenziale zwischen Nordjemen und Südjemen (die Furcht
im Süden vor einer Dominanz des streng konservativ islamischen Nordens;
Rivalitäten zwischen den noch nicht zusammengeführten Armeen des
Nordens und Südens) führten vom 27. 4.-5. 5. 1994 zum Aufstand im
Südjemen, um die Demokratische Republik Jemen wiederherzustellen; der
Aufstand wurde aber von Regierungstruppen niedergeschlagen. Im September 1994
beschloss das jemenitische Parlament die Einführung der Scharia als einzige
Grundlage der Gesetzgebung und bestätigte im Oktober 1994 Saleh für
fünf weitere Jahre als Präsident (erneut Oktober 1999). Grenzstreitigkeiten
mit Eritrea (Hanisch-Inseln; Ende 1995 bewaffnete Auseinandersetzungen) wurden
1998 per internationalem Schiedsspruch beigelegt; mit Saudi-Arabien (v. a.
um die Landschaft Asir) bestehen sie noch. Im Vertrag von Taif (nach einem
Krieg mit dem damaligen Süd- Jemen abgeschlossen am 20. 5. 1934; war
jeweils nach 20 Jahren zu erneuern) hatte der Jemen zugunsten Saudi-Arabiens
auf die Herrschaft darüber verzichtet; 1995 begannen neue Verhandlungen
mit Saudi-Arabien zur Regelung der offenenen Grenzfragen.
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
