Kalabrien - die Stiefelspitze Italiens

Kalabrien

nur als Alternative geplant – falls wir doch nicht nach Sardinien wollen / können. Nach Rom entschließen wir uns ganz flexibel, doch weiter nach Süden zu düsen und Sardinien für einen späteren Besuch zu planen. Die Fahrt ist wie üblich ereignislos, wenigstens bis Neapel – dort stellt man einfach den Tempomaten ein, so wenig Verkehr ist da üblich – aber danach gibt es Baustelle an Baustelle.

Wir fahren durch bis Catanzaro, das anscheinend uneinnehmbar auf einem Berg liegt. Neuerdings ist es durch waghalsige Brückenkonstrukte exzellent ans Verkehrsnetz angebunden.

Landschaft: Kalabrien ist sehr gebirgig – auf den höchsten Bergen liegt noch Schnee, Ende April. Landschaftlich sehr abwechselnd, zwischen rauhem Gebirge und sanften Tälern. Besonders das Zentrum östlich von Cosenza scheint ein Eldorado zum Relaxen und Wandern zu sein – extrem ruhig.

Klima: Kann manchmal schon ganz schön rauh sein. Wir hatten fast jeden Tag ziemlich brachialen Wind, der über Italiens schmalste Stelle fegte. So erschienen uns auch die üblichen Tagestemperaturen von 20° und mehr als ziemlich frostig. Etwas weiter im Landesinneren – schnell ziemlich hoch gelegen – fiel die Temperatur schon mal auf 5° bei Nebel.

Sehenswertes: Im Gegensatz etwa zur Toskana sind die Dörfer wenig begeisternd, trotz häufig pittoresker Lagen. Meist wird relativ viel gebaut (oder das Bauen ist aus steuerlichen Gründen unterbrochen), aber typischerweise wenig adrett und sehr einfallslos (Skelett, Beton, Standard-Architekturen ohne persönlichen Touch). Es ist erstaunlich wenig gut gepflegte alte Bausubstanz vorhanden. Ganz anders die Landschaft: sie zeigt sich in unglaublich großer Vielfalt. Naturfreunde werden Kalabrien sicher schätzen.

In Stila sollte man unbedingt die Cattolica besuchen – eine Minikirche (6x6 m) direkt am Felsen gelegen, die in ihrer 1200 jährigen Geschichte alle Angriffe überdauert hat. Wahrscheinlich waren es ihre mangelnde Größe und exponierte Lage, die sie den Angreifern als nicht ‚brandschatzwürdig‘ erschienen ließ. Ziemlich nahe liegt das Kloster Santa Maria della Stella mit einer Marienstatue in einer Grotte – wie in Jerusalem sind offenbar Grotten oder Felsspalten stets Orte für heilige Stätten... In der Nähe von Catanzaro Lido liegt die Ruine von Abbadia Roccella, einem beeindruckenden Bauwerk. Sie ist zusammen mit dem Kloster ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische.