Gran Canaria - Sahara Feeling I

Der Morgen ist deutlich einladender als noch gestern. Es herrscht kaum noch Bewölkung, der Wind ist abgeflaut und wir also bereit, mal die Dünen aufzusuchen. Auf dem Weg nach Maspalomas Oasis betanken wir wieder mal unseren BCS und uns in der angeschlossenen Kneipe mit Espressi und café con leche. Wieder stellen wir fest, wie gut der Espresso in einer einheimischen Umgebung sein kann. Auch, oder gerade weil die Kneipe nicht dem letzten Stand der touristischen Erkenntnisse angepaßt ist, aber für die Einheimischen offenbar ein Kommunikationszentrum darstellt.

Oasis ist ein Palmenmeer, aber auch ein Hotelmeer. Dennoch stellen diese etwas feineren Adressen nicht derartig massive Eingriffe in die Natur dar, wie sonst an der Südküste. Es herrscht hier einfach eine etwas bessere, teurere, gepflegtere Atmosphäre. Wir finden sogar einen Parkplatz, in einem kaum frequentierten Parkhaus. Nett: Wir parken direkt hinter einem Auto ebenfalls weiß, ebenfalls Cordoba, ebenfalls BCS, ebenfalls 672 – aber dann gefolgt von einer 8. Also: eins mehr als wir. Vielleicht merken die anderen ja auch den Spaß...

‚Kanarienvögel‘ – endlich mal richtig sichtbar, warum die so heißen – nisten in den Palmen und sind fleißig, bauen und bauen und machen ein unglaubliches Geschrei für ihre Größe. Etwas weiter sind in einer Voliere eines Hotels ihre Verwandten eingeschlossen. Traurig, daß dies hier in ihrer angestammten Umgebung der Fall sein muß.

Am Strand herrscht dann ein Gewühle, wie in der Münchener Fußgängerzone. Wir schätzen, daß etwa 1,23 Mio Menschen zwischen Maspalomas und San Agustin / Playa del Ingles unterwegs sein müssen. Alle haben offenbar die gleiche Idee, einen verlängerten Strandspaziergang zu machen. Im Lauf der anschließenden Kilometer werden es weniger, wahrscheinlich wegen vieler Liegemöglichkeiten an ordentlich teutsch und riminisch ausgerichteten Liegestühlen (ganztags zu mieten; man braucht dann wegen Aufsicht nicht mal mehr den Stuhl per Handtuch zu belegen – sofern man sich seine Lage gemerkt hat) und noch viel mehr freiem Platz etwas weiter hinten in den Dünen.

Kaum sind wir also eine halbe Ewigkeit gewandert, die Dünen richtig hoch geworden, der Strand Richtung Playa del Ingles gekrümmt, beschließen auch wir, uns einen Ruheplatz zu suchen. Nicht auf einem Liegestuhlparkplatz, sondern in den Dünen, noch mit Meerblick. Kaum stapft man da so einige 100m vom Strand weg – schon ist man mit sich (fast) allein. Es kommen nur ab und an irgendwelche verirrten Wanderer vorbei, die entweder wirklich in den Dünen spazieren gehen wollen, oder auf dem Weg zurück ins Hotel sind. Ansonsten – kein Mensch weit und breit. Was die Auswahl der richtigen Düne wirklich sattsam erschwert: die eine ist zu flach, die andere zu steil, die dritte liegt direkt im Wind, die vierte hat nicht genügend frischen Wind und die fünfte halt irgendwas, was auch das Niederlassen erschwert. Nach reiflicher Überlegung gelingt es uns aber doch, den Entscheidungsprozeß zu beenden. Die Schuhe werden oben am Dünenkamm geparkt – ein illustres Bild, die Bergschuhe auf einem Sahara-like Sandberg – die Rucksäcke bei uns (dienen auch als Kopfstützen) und wir auf dem Sand, resp. den Badetüchern auf dem Sand.

Meerblick haben wir immer noch – auf ein blaues, im Gegenlicht gleißendes Meer. Und unsere Ruhe. Und einen wunderbaren Blick auf das Inselinnere, mit den Bergen (irgendwo muß auch der Roque Nublo zu sehen sein), hinter dem Rio Palace, dem architekturell beeindruckendsten Hotel der Insel. Genügend Objekte zum Fotografieren sind also vorhanden; besonders die nach dem gestrigen Sturm noch fast jungfräulichen Dünen sind traumhaft.

Nach anfänglichem Zögern passen auch wir uns der hier herrschenden Kleiderordnung an; trotz besserem Wissen ist mein Ganzkörper-Sonnenbrand nicht einkalkuliert. Der leichte Wind und die damit als nicht allzu hoch empfundenen Temperaturen sind verführerisch.

Leider ist irgendwann aber auch diese Idylle zu Ende. Der Rückweg steht an – eine weitere Strandwanderung. Unser Auto steht immer noch da, aber mittlerweile von seinem Zwilling im Stich gelassen. Und ohne Nachricht – na gut, sind halt doch blind, die andern.

Der Parkhauswächter freut sich, daß er uns auch richtig bedienen darf. Die Anzahl der täglichen Einsteller ist anscheinend doch recht beschränkt. Jedenfalls akzeptiert er die Kreditkarte; damit hat er dann endlich auch mal was zu tun, und das dauert auch noch.

Der Weg nach 624 wird genutzt, mal das Ambiente der drei Orte Maspalomas, Playa del Ingles und San Agustin zu verinnerlichen. Wenngleich auch nette Stellen vorhanden sind, es bleibt der Eindruck eines Urlaubs-, Architektur-, Menschenchaos. Einzig das Rio Palace sticht da etwas heraus – auch von der anderen Seite aus gesehen.

Zuhause im 624 – vorletzter Abend, mit Planung für den letzten Tag. Es stehen noch an: Besteigung des Roque Nublo oder des Pico de las Nieves; Besichtigung der Höhlenwohnungen in der Nähe von Artenara mit Wanderung. Relaxen in den Dünen. Conny’s Entscheidung: ‚Laß’ uns morgen entscheiden, aber ich möchte wieder in die Dünen’.