Der
Tag beginnt wirklich sehr bewölkt. Und weil gerade Sonntag ist und da in
Teror, der kanarischsten aller Städte, einer der größten
Märkte der Insel stattfindet, ist jetzt der Norden angesagt.
Beim gestrigen Frühstück
hatten wir eine Dame kennengelernt, die schon in Las Palmas war, und es uns
zur Besichtigung empfiehlt. Trotzdem wollen wir aber die Stadt eigentlich
nicht besuchen; Städte kennen wir ja schon genug. Jedenfalls düsen
wir Richtung Norden los, verfahren uns mal kurz in Las Palmas und bekommen
hier so doch noch einige Eindrücke mit und sind dann ziemlich
unvermittelt auf der nördlichen Autobahn. GC2 zur Abwechslung.
Die erste Abzweigung nach
Arucas auf dem Weg nach Teror verpassen wir, was aber nicht
dramatisch ist. Bei der Anfahrt ins Gebirge erscheint uns die Insel dann völlig
verwandelt: Hier ist sie nicht mehr kahl, sondern schon fast richtig grün.
Leider ist sie aber auch ziemlich zersiedelt, was von weiter oben immer deutlicher
wird. Trotzdem erscheint sie hier in einem wunderbaren Licht; vor allem auch
wegen der dunklen Wolken, die sich über den Bergen zusammen brauen.
In Arucas passieren wir
die schöne Kathedrale bleiben aber nicht, weil wir ja noch das
Leben in Teror auf dem Markt sehen wollen. Die Straße windet sich immer
höher, der Verkehr wird auch dichter, und dann, in Teror, kommt er richtig
ins Stocken. Parkplätze, ganz am Anfang des Ortes, haben wir noch freundlich
übersehen; aber in der Stadt selbst gibt es keinen auch noch so kleinen
Flecken, der nicht schon belegt ist. An einer zentralen Kreuzung regelt ein
hyperaktiver Schutzmann den Verkehr, was zwar auch nötig ist, aber trotzdem
ganz heiß aussieht, wie er die Autos vor und hinter sich dirigiert.
Ihm scheints Spaß zu machen, und uns beim Zusehen und Vorbeifahren
natürlich auch. Wir fahren also wieder etwas Richtung Peripherie und
nehmen 15 Minuten Fußmarsch in Kauf (wohl auch nicht das Schlimmste,
was uns hier passieren kann).
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Der Markt entpuppt
sich dann zwar als groß vielleicht wirklich der größte
der Insel aber wenn man mal irgendwo einen gesehen hat, dann
hat man auch alle gesehen. Angeboten wird vor allem Gruscht (wie wir
in Bayern sagen), natürlich auch Lebensmittel und Dinge für
den täglichen Gebrauch, auch des Touristen, wenngleich die hier
dankenswerterweise wenig vertreten sind. Conny findet trotzdem ein nettes
Mitbringsel: Irgendwo bieten sie Samen diverser einheimischer Pflanzen
an, und bei Connys grünem Daumen ist das halt einfach ein
Muß. So werden wir also zu Hause dann irgendwelche Drachenbäume
und anderes Grün wachsen sehen und pflegen. Von unserem letzten
Urlaub hier (ja, der ist schon ein Vierteljahrhundert her) leben ja
auch noch einige Kakteen und andere Pflanzen, auch wenn sie zwischenzeitlich
wegen Übergröße immer wieder mal auf ein zivilisiertes,
höchstens raumfüllendes Maß zu stutzen waren.
Vor der Basilika,
einem der größten Heiligtümer der Kanaren (Zitat: Was
Mekka für die Moslems ist, das ist Teror für die katholischen
Kanaren. Hier muß man mindestens einmal im Leben hinpilgern und
zu Fuß den Weg von Las Palmas nach Teror machen.) steht
der größte Drachenbaum der Insel, ca. 15 m hoch. Er sieht
zwar anders aus, als all die anderen, wäre aber sonst nicht als
größter Baum in die Literatur eingegangen, wenn man ihn nicht
so beschrieben hätte. Zu deutsch: Muß man nicht gesehen,
aber wenigstens fotografiert haben.
Zwischenzeitlich
melden sich unser Magen und Koffeinspiegel. Da die Kirche gerade noch
aktiv genutzt wird, entschließen wir uns zu einer ökologischen
Kaffee- und Brotzeitpause. Wir finden auch ein kleines Restaurant, das
im wesentlichen von jungen Leuten besucht ist. Der Espresso ist gut,
der café con leche entpuppt sich als Milchkaffee, obwohl die
Milch anscheinend aufgeschäumt wird. Schaum gibts halt hier
nicht. Brotzeit auch nicht, auch, weil wir nicht wissen, was wir bekommen
würden. Reduziert also die Gesamtausgaben auf ca. DM 3,50 bei einigen
Espressi und einem café con leche.
Anschließend
genießen wir noch diesen wirklich hübschen Ort, mit den malerischen
kanarischen Balkonen, der alten Bausubstanz im Stadtkern und dem puslierenden
Leben. Hier herrscht noch richtiges Inselflair, hier sind die Einheimischen
Herr der Lage und Touristen eher Rarität. Schließlich finden
wir auch einen Seiteneingang in die Kirche, durch den wir direkten Zugang
zur Marienstatue bekommen. Es ist schon interessant, über dem Altar
zu stehen, das Heiligtum vor sich, das von den vielen Gläubigen
in der Kirche nur durch ein Glasfenster zu sehen ist. Hierher kommen
auch die Wallfahrer, die Hilfe bei der Lösung ihrer Probleme erflehen.
Schließlich machen wir uns dann doch wieder auf den Weg.
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Wir wollen noch weiter
ins Gebirge und per Rundtour über Sta. Brigida zurück nach Las Palmas.
Aber jetzt wirds richtig ungemütlich: Zwar erreichen wir mit Balcon
de Zamora noch einen Aussichtspunkt, von dem aus die gesamte Nord-Östliche
Inselfläche vor uns ausgebreitet liegt alles unter einer Wolkendecke,
die nur direkt am Ufer von etwas Blau gesäumt wird, aber jetzt beginnt
auch der Nebel. Wir haben ihn zwar erwartet, doch nicht in der Dichte.
Zunächst finden wir
noch bei Valleseco (der Name ist wohl ein Widerspruch in sich: es regnet und
außerdem ist es der nasseste Platz der Insel) in einem Barranco einen
Blick auf Höhlenwohnungen, aber dann ist wirklich nichts mehr zu sehen.
Buchstäblich nicht, auch nicht die Straße, die sich in engen Kurven
das Gebirge hochwindet. Der erhoffte grandiose Blick ist somit total gräulich
und auf ca. 20m beschränkt. Fast wie November zu Hause, nur etwas wärmer,
bei 10° Außentemperatur. Wo wir uns eigentlich befinden erfahren
wir gerade mal durch die malerisch angebrachten Wegweiser, die wenigstens
konsequent inkonsequent unterschiedliche Ziele angeben.
Wir trotzen der Waschküche
noch einige Zeit, genießen aber die Fahrt natürlich nicht in der
Art, wie wir sie eigentlich erwartet haben. Trotzdem ist auch die sichtreduzierte
Umgebung schon beeindruckend. Auf der Fahrt nach unten passieren
wir relativ einsam gelegene Häuser (soweit wir das bei der beschränkten
Sicht beurteilen können), aber in erheblicher Anzahl. Der Eindruck von
eben, daß der Norden doch recht zersiedelt ist, wird dadurch stückweise
verifiziert.
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Ganz langsam lichtet
sich aber der Nebel, die Sicht wird besser, steigt von 20 auf 50, dann
auf 100 m und schließlich sind wir wieder unter der Wolkendecke
angelangt. Die vielen Orte liegen in einem recht unwirklichen Licht,
unter der Wolkendecke; und nach wie vor leuchtet der blaue Streifen
in Küstennähe.
Anscheinend völlig
unverseucht vom Tourismus scheinen hier die Siedlungen zu sein. Partiell
zeigen sie sich typisch ländlich, bei den etwas größeren
Orten sieht man deutlich die Nähe zur Hauptstadt. Hier liegen die
beliebten Wohngegenden; commuting zur Arbeit ist relativ einfach.
Für uns steht
neben der Landschaft noch der Jardino Botanico auf dem Programm, in
dem typisch kanarische Pflanzen gesammelt sein sollen. Er ist mit unseren
Beschreibungen etwas schwer zu finden; erst die Hilfe eines netten jungen
Mannes, der einige km vor uns herfährt, führt uns zum Eingang.
Hier könnten alle uns bekannten Führer schon etwas deutlicher
werden wenn sogar die Anfahrt auf den Straßenkarten nicht
zu erkennen ist. Und abgesehen davon heißt der Garten offiziell
Jardino Canaria und ist auch so ausgeschildert.
Es ist schon 1600
Uhr als wir dort ankommen. Der Eintritt ist kostenlos wäre
im Süden der Insel sicher auch nicht der Fall. Nach dem ersten
Eindruck ist der Garten ziemlich riesig und wir wollen uns erst von
oben einen Überblick verschaffen. Wir passieren einen Kakteen-Garten,
mit riesigen, teilweise mehr als 5m hohen Gewächsen (die aber anscheinend
doch importiert und nicht heimische Gewächse sind).
Von oben zeigt sich
die ganze Vielfalt des ausgesprochen liebevoll angelegten Areals, das
wunderbar geschützt in einen Tal liegt. Schließlich erwandern
wir in knapp 2 Stunden nur einen Teil davon, immer wieder unterbrochen
wegen der Betrachtung faszinierender Blüten oder Pflanzen und der
Umgebung, die sich eindrucksvoll im Abendlicht vor dem dunkel bewölkten
Hintergrund darstellt. Leider schließt der Garten um 1800Uhr,
und wir können verschiedene Teile nicht mehr oder nur noch im Schnelldurchgang
sehen. Eigentlich ist der Garten ein Anlaß, wieder mal auf die
Insel zurückzukehren. Er ist sicher wert, einen ganzen Tag erforscht
zu werden.
Trotz Sonntag
oder vielleicht gerade deshalb ist der Verkehr zurück, teilweise
durch Las Palmas, nicht allzu dicht und wir sind gerade mal 40 Minuten
zu unserem Domizil in San Agustin unterwegs.
Obwohl unsere Aktivitäten
nicht so anstrengend waren, wie die der letzten Tage, beschließen
wir, für morgen einen Relax-Tag einzulegen und mal die Dünen
bei Maspalomas aufzusuchen. Conny will ja auch unbedingt wieder mal
stundenlang einen Strand entlangspazieren.
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