Morgen in San Agustin
wieder ein vorzüglicher Morgen mit Sonne, Palmen, Meer und einem
ausgedehnten Frühstück. Irgendwie kommen wir nicht richtig auf Touren,
oder auf die die Tour, die wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Trotzdem
irgendwann gehts los, und da ist ja auch noch die Flut, die zu
beachten ist. Spätere Ankunft ermöglicht dann auch den Übergang
zu Güigüi Chico; vielleicht.
Für den Fall, daß
wir diesmal den Weg finden sollten.
Eigentlich erwarten wir
wegen des Wochenendes etwas stärkeren Verkehr aber auf der mittlerweile
sattsam bekannten Strecke im Süden ist nicht allzu viel los. Vielleicht
liegts auch am 6.1., einem Feiertag. In Puerto de Mogan wird getankt
und da stellen wir fest, wie billig das sein kann: Der Liter kostet um die
DM 1,- Und wenn man dann noch ein etwas sparsames BCS mit relativ kleinem
Tankinhalt fährt, dann wird man an einer Tankstelle gerade mal so DM
35,- los. Paradiesische Zustände.
Erste Enttäuschung:
Unser Espresso- / Cappuccino-Restaurant hat geschlossen.
Zweite Enttäuschung:
Unser Papaya-Saft Schuppen hat geschlossen.
Bleibt die Vorfreude auf
Güigüi.
Conny ist noch skeptisch:
Das schaffe ich nie. Wir sind zu spät dran. Bist
Du eigentlich so dämlich oder kannst Du nicht lesen 7 Stunden,
nie im Leben heute noch! Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Hinabbesteigung des Strandes.
Wenigstens stellen wir
bald fest, daß es wirklich eine Route auf den Berg gibt durch
Steinmännchen gekennzeichnet, aber trotzdem nicht immer einfach zu finden.
Einmal klettern wir einen Felsen im Bachbett hoch und stellen hinterher fest,
daß es mit etwas Umweg auch deutlich einfacher gegangen wäre. Aber
immerhin ist das Ziel ja immer in Sichtweite. Zum Aufstieg brauchen wir nur
etwas mehr als eine ¾ Stunde, weit weniger, als in unserem Wanderführer
angegeben, und etwa im Rahmen dessen, was die beiden anderen Bücher schreiben.
Oben eröffnet sich dann ein traumhafter Blick auf Güigüi
ich fühle mich ganz stark an die Napali-Coast in Kauai erinnert, wo auch
unvermittelt ein gigantisches Felsmassiv auftaucht. Hier ist aber die Vegetation
doch sehr spärlich: Einige Riesenkakteen, sonst nichts; nur noch Flechten
an den Felswänden.

Trotz Connys Skepsis
steigen wir weiter und weiter hinab die 7 Stunden müssen einfach
ein Fehler sein. Irgendwann erreichen wir dann ein total abgelegenes Gehöft,
das offenbar sogar bewohnt ist; Menschen bekommen wir aber nicht zu Gesicht.
Schließlich öffnet sich noch eine enge Spalte im Fels, der finale
Zugang zum Strand.
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Wir sind zwar nicht
die einzigen Menschen hier, aber außer uns sind es nur noch zwei
Paare, die den Anmarsch in Kauf genommen haben, sowie eine einzelne
Person am Ende des Strandes, mit einem Zelt. Es ist einfach traumhaft.
Die Flut zieht sich gerade zurück. Der feinsandige Strand erscheint
im Gegenlicht schwarz (nicht goldfarben, wie beschrieben), mit kleinen
goldfarbenen Sprenkeln. Der Blick nach Norden wird von zwei Felsmassiven
verwehrt, die unvermittelt senkrecht aufragen. Dazwischen liegt Güigüi
Chico, wegen des Wasserstandes und der hohen Wellen aber noch nicht
erreichbar. Erst einmal hatte ich ein ähnliches Erlebnis, als ich
nach einer Wanderung von 1 ½ Stunden auf Kauai ebenfalls an einen
Bilderbuchstrand kam. So müsste es eigentlich überall sein,
nicht Puerto-Riconisch entnaturalisierte Betonlandschaft. Gottseidank
wird diesem Kleinod dieses Schicksal erspart bleiben: die Rauheit der
Umgebung und die Unmöglichkeit für das Anlegen von Schiffen
lassen diesen Strand auf Dauer menschenleer.
Trotzdem sind natürlich
auch hier die unliebsamen Spuren der Zivilisation nicht
zu verleugnen, wie Abfälle zeugen.
Mittlerweile bin
ich auch mit der Dame im Gespräch, die hier ihr Zelt aufgeschlagen
hat. Sie kommt aus Deutschland und verbringt zwei Wochen mit sich, dem
Mond, dem Meer und einer zugelaufenen Katze. Ein Urlaub, wie ihn noch
niemand in meiner Bekanntschaft jemals angetreten hat (reif für
die Insel im wahrsten Sinn des Wortes). Wir tauschen mal die e-mail
Adressen und ich verspreche, die Fotos zu senden.
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Leider ist bald aber Zeit
zum Aufbruch. Wir haben ja wieder ca. 550 Höhenmeter zu überwinden
und auf der anderen Seite auch wieder abzusteigen. Von dem pittoresk liegenden
Gehöft erfahren wir, daß dort eine Familie mit 6 Kindern und einigen
Hunden lebt, völlig abgeschieden von der Welt. Welche Menschen das sind,
das können wir persönlich leider nicht feststellen.
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Immerhin lernen
wir die beiden Hunde kennen; den bellenden, der sich bei unserem Vorbeimarsch
ganz ruhig und äußerst interessiert verhält, und unseren
sogenannten Lebehund, der einfach das Leben genießt
und uns das ganz fröhlich zeigt.
Wie schon befürchtet
ist der Rückweg schon aus subjektiven und psychologischen Gründen
deutlich schwieriger als der Hinweg. Irgendwie scheint der Kamm einfach
höher zu liegen als zuvor. Immerhin können wir noch einige
Flechten auf den Felsen bewundern sie sind wirklich überall
vorhanden und verfärben die Landschaft. In dem Ausmaß ist
das in den Alpen nicht zu sehen. Schließlich Höhe
erreicht, kurze Rast und dann Abstieg nach Tasartico. Auch der ist etwas
schwieriger weil halt doch steil, und bei unseren malträtierten
Rücken brauchen wir sogar länger, als für den Aufstieg.
Jedenfalls eröffnet die untergehende Sonne neue Farbspiele im Barranco
Tasartico und ein Gehöft erscheint in strahlendem Licht.
Irgendwann ist dann
unser BCS erreicht und der Heimweg beginnt. Leider wieder ohne Papaya-Saft
entweder sind wir zu spät dran oder der Feiertag wird ernst
genommen. Auch unser Restaurant in Mogan hat geschlossen; nur die Familie
ißt an einem großen Tisch zu Abend. Wenigstens hat gegenüber
noch eine kleine Pizzeria geöffnet, und eröffnet die Möglichkeit,
den schon auf ein kritisches Maß gesunkenen Koffein-Spiegel wieder
anzuheben. Espresso gibts also, auch den schon gewöhnten
spanischen Cappuccino. Und auf Nachfrage erfahren wir, daß
der richtige Cappuccino mit aufgeschäumter Milch hier café
con leche (Milchkaffee) heißen soll. Glaube ich aber erst,
wenn ich das gesehen habe.
Offenbar sind wir
wirklich spät dran, denn sogar der Stau um unser beliebtes Puerto
Rico herum muß sich schon aufgelöst haben. Oder sind da wieder
die drei Könige im Spiel?
Unsere schon gewohnten
Sender verwöhnen uns weiter mit lokalen und international lokalen
Nachrichten. Neben der Erklärung zum Eingang (Sie finden
uns...) erfahren wir alles über die wichtigen Neuigkeiten
aus Castrop Rauxel oder wo auch immer in Deutschland. Geschlagene 12
Minuten lang. Bild-mäßig redaktionell aufbereitet und per
Radio verteilt. Offenbar für alle, denen die bayerische Bier-Umgebung
noch nicht reicht.
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Beim Abendessen ist es
etwas voller als normal; wir finden Platz an einem Tisch mit einem schweizer
Ehepaar. Smalltalk beim Essen, immerhin nicht ganz trivial.
Laut lokalem Wetterbericht
in Deutschland herrschen ziemlich winterliche Verhältnisse; dank
lokalem Sender sind wir auch darüber gut informiert wird es am
nächsten Tag etwas bedeckt, und vielleicht sogar regnerisch sein. Also
keine Pläne konkretisiert, sondern mal den Tag abgewartet.