Gran Canaria - Ein ungeplanter Strand

Conny glaubt, daß wir schon etwas spät Richtung Playa de Güigüi abgedüst seien. Nach meinen Berechnungen müsste das jedoch gut klappen, da die Flut etwa um 1100 Uhr ihren höchsten Stand erreicht hätte, und wir dann am späteren Nachmittag den nur bei Ebbe erreichbaren Teil Güigüi Chico (im Gegensatz zu Grande, dem größeren ‚Haupt’strand) aufsuchen könnten. Also – wieder entlang der kanzerösen Südküste – heute mal ohne Stau, rauf nach Mogan und dann weiter Richtung San Nicolas.

Auf dem Weg finden wir einen in faszinierenden Farben schillernden Felsen, den Azulejos. Natürlich gibt’s hier eine kleine Erfrischungsstation (mit frischem Papaya-Saft), die wir aber wegen der knapp bemessenen Zeit nicht aufsuchen. Die Straße windet sich am Berg entlang auf eine Höhe, von der dann zum ersten Mal ein Blick auf San Nicolas möglich ist. Es wäre wirklich traumhaft, würde nicht die gesamte Landschaft durch Plastik-verdeckte Tomatenfelder verschandelt. Es erscheint fast so, als wäre die Ebene komplett verchristot. Wir biegen hier nach Tasartico ab, auf eine kleine Straße, die wieder etwas abenteuerlich am Berg entlang gebaut ist. Von einem Einschnitt aus öffnet sich ein wunderschöner Blick auf das Barranco Tasartico, mit Blick auf den Atlantik.

Im kleinen Weiler angekommen fragen wir noch nach dem Weg nach Güigüi, erhalten die Info (mehr gestikulierend als verbal), daß es durch den Ort ginge und dann auch noch über einen Berg, und parken daraufhin unseren BCS am Ortsrand, wie im Marco Polo beschrieben. Und marschieren los. Richtung Strand.

Der Weg dorthin ist gesäumt von einer ganzen Reihe von Tomatenplantagen unter den mittlerweile wohlbekannten Plastikplanen – was zwangsläufig die gesamte hübsche Landschaft zerstört. Aber wahrscheinlich müssen auch die Menschen hier in einem der abgelegensten Teile der Insel von etwas leben, und wenn nicht vom Tourismus , dann bleibt wohl nur die Landwirtschaft.

So einen knappen Kilometer strandgerichtet kommen wir an einem kleinen Steinmännchen vorbei und mokieren uns, daß wir heute leider keine ‚Hüte’ zum Verzieren dabei hätten ... interessantes Statement mit leichten Nachwehen, s.u. Verwunderlich ist nur die relative Güte der Straße, die deutlich besser ist, als der Höhenweg von gestern, trotzdem aber – laut Führern – der Weg zu Fuß zu gehen sei. Sei’s also so, wir hatschen eine Stunde lang weiter und kommen – einen irgendwie freigestellten skurril geformten Felsblock passierend – auch am Strand an. Davor gibt’s noch einen Campingplatz, total verwaist, aber immerhin existierend. Der Strand selbst ist nett, aber nicht gerade berauschend, außer dem Meeresrauschen der abnehmenden Flut. Jetzt nehmen wir an, daß wir hier eine der Klippen rechts oder links zu bewältigen haben, um schließlich zum Traumstrand zu gelangen. Rechts ist klar, daß da nichts geht und links nach einer kurzen Begutachtung auch. Also schlagen wir uns um die Felsen herum und erwarten Güigüi dann danach.

Wir finden auch einen Strand – aber von Sand keine Spur. Ein einsames Pärchen hat sich hierher verirrt – bewusst allerdings – und sonnt sich auf den bratpfannenheißen Lavafelsen. Conny ist es viel zu heiß, um sich auszuziehen, und wir werden aufgeklärt, daß das hier der letzte der erreichbaren Strände sei. Um den nächsten Felsvorsprung käme man nicht herum und überhaupt sei hier alles Lava. Sand – no way.

Schließlich stellt sich bei Lektüre der Karte heraus, daß wir irgendwo hinter Tasartico rechts hätten abbiegen und dann den Berg queren müssen. Wohl wahrscheinlich da, wo wir vorhin die netten Steinmännchen gesehen hatten. War wohl ein kleiner Missgriff.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Heimweg anzutreten, wieder eine Stunde Richtung Tasartico zu latschen und dann Richtung temporärer Heimat zu düsen. An der potentiellen Abzweigung sehen wir jetzt ein junges Pärchen losmarschieren – zweifellos aber zu spät für die gesamte Strecke noch an diesem Tag. Auf dem Weg zum Ort besuche ich noch eine offenstehende Tomatenplantage; innen erscheint sie endlos. Jetzt wollen wir es auch noch unbedingt wissen und fahren zur Abzweigung zurück, um den dortigen Weg zu erkunden. Es stellt sich raus, daß er zwar schnell recht eng wird, aber wahrscheinlich entlang des trockenen Bachbettes nach oben führt. Vage vereinbaren wir mal, das morgen zu testen.

Auf dem Rückweg stoppen wir kurz an den Azulejos und genehmigen uns ein Glas Papaya-Saft. Tut richtig gut, nach der Wanderung (auch wenn diese nicht gerade recht aufreibend war); Espresso gibt’s leider nicht. Aber Mogan auf dem Weg, wo wir einfach mal kurz anhalten wollen. Am Ortseingang liegen mehrere Restaurants und nach kurzer Parkplatzsuche steuern wir eines mit Front-Terrasse an. Völlig unerwartet entpuppt sich der Espresso zwar nicht gerade als italienisch mit entsprechender Crema, aber dennoch als ganz phantastisch. Conny’s Pseudo-Cappuccino ist ebenfalls recht ordentlich, wie auch mein zweiter Espresso. Und dann bezahlen wir gerade mal umgerechnet DM 4,- für alle drei Getränke. Das ist der Unterschied zwischen Land und Tourismusgegend.

Und noch ein Unterschied: Neben dem Restaurant liegt ein wunderschöner Tante-Emma Supermarkt. Super, im wahrsten Sinn des Wortes: Alles, was man in Mogan zum Leben braucht, gibt es hier. Angefangen von Lebensmitteln über Obst, Waschmittel bis hin zu Geschirr oder Küchenutensilien. Alles irgendwie geordnet in dem kleinen Raum, nur in geringer Zahl vorhanden und deshalb recht übersichtlich. Wir sind so angetan davon, dass wir einfach mal reingehen und dann mit Hilfe eines kleinen Werbegeschenks in Form von Mandarinen zum Shopping überredet werden. Aber agua minerale hätten wir ja sowieso gebraucht...

Das kleine Provinz-Hauptstädtchen ist dann auch schnell erwandert. Wir finden einen gepflegten Garten eines Clubs mit tollen Blüten, eine geschlossene Kirche und eine öffentliche Krippe, die aber nur zu späten Zeiten öffentlich ist.

Bleibt also nicht mehr viel mehr, als noch einen Espresso zu trinken, und Richtung San Agustin zu verschwinden. Heute trifft uns der Stau dann in der anderen Richtung, so daß das Abendessen ziemlich spät eingenommen wird.

Danach beschäftigt sich Conny noch etwas ausführlicher mit der missglückten Wanderung und liest in den unterschiedlichen Führern schon mal die Anweisungen – just in case. Man kann ja nie wissen. Dabei stellt sie fest, daß unser Wanderführer den Weg ab Tasartico allein schon den Aufstieg mit 1 ½ Stunden angibt, wie auch den dann nötigen Abstieg retour und die Resttour an den Strand mit zusätzlichen 4 Stunden. Macht in Summe also mindestens 7 Stunden.

Ganz schön heavy!