Es ist schon ganz schön, an einem Wintermorgen aufzuwachen, die Sonne über Palmen aufgehen zu sehen und die aufkommende Wärme zu spüren. Das Gefühl haben wir leider nur mal jetzt im Urlaub. Vielleicht genießen wir es gerade deshalb so sehr. Nach dem gestrigen Auspacken nehmen wir jetzt alle Wandersachen und verstauen sie schon mal im Auto da können sie dann die Woche über bleiben.
Beim Frühstück stellen wir fest, daß es einen Wintergarten gibt, der abends rauchfrei ist / sein sollte. Ein Dinnerproblem ist damit gelöst. Außerdem ist er wunderschön lichtdurchflutet ein Genuß für ein Winterfrühstück. Wir finden auch alle für ein vernünftiges Frühstück notwendigen Bestandteile. Einschließlich der 4 Minuten Eier, die sich von den 6 Minuten Eiern durch das Schild unterscheiden. Die Spiegeleier werden in einer Kreisform fabriziert eines wie das andere leider aber dadurch für mich ungenießbar. Trotzdem wir sind mehr als zufrieden.
Aber dann zieht es uns hinaus. Wir düsen mit unserem BCS Richtung Mogan los, fahren wieder zurück auf die GC1 und sind schnell an deren Ende angelangt. Wo uns ein formidabler Stau erwartet. Warum ein Autobahnende zusammen mit einer Einmündung der viel befahrenen Küstenstraße zusammen auf einen Ortsanfang gelegt wird, das wissen wohl nur die Verkehrsplaner. Jetzt könnten wir zum ersten Mal unser neues TV-Feature im BMW gebrauchen aber der steht ja zuhause. Immerhin werden wir von einem Deutsch-sprachigen Sender über alles Relevante auf der Insel unterrichtet. Relevant? Naja, ziemlich subjektiv relevant halt. Während der kommenden Tage werden wir das immer wieder mal genießen Kulturinformationen und Werbung für Bierkeller der bayerischen Art. Oder was auch immer sich die Kanaren oder Breißn unter bayerisch vorstellen.
Trotzdem wir genießen die Schönheit der Pflanzen, der Umgebung, der Architektur und natürlich die Sonne, bevor wir uns auf den Weg ins Gebirge machen. Sollten wir jemals wieder in Gran Canaria Urlaub machen Puerto de Mogan wäre sicher eine mögliche Wahl.
Das Barranco de Mogan ist ein hübsches Tal, reich an Vegetation und voller kleiner Dörfer. Überall am Wegesrand sind kleine Drachenbäume zu sehen den hier fälligen Witz mit dem Hausdrachen erspare ich mir mal. Wir passieren den Weiler Molino de Volente Windmühle wo auch noch ein Exemplar davon, restauriert, die Hauptstraße ziert. Im Vorbeifahren fallen mir überdimensionierte Haushaltsgeräte auf Wassertopf, Bügeleisen, etc. alle mehr als zwei Meter hoch. Aber was ich zunächst als einen weiteren geschmacklosen Auswuchs des Tourismus ansehe, entpuppt sich anscheinend als lokale Kuriosität: Wir entdecken so nach und nach noch mehrere dieser Skulpturen, wie etwa eine äußerst hübsche und filigran gestaltete Nähmaschine.
Der Weg zurück ist dann weniger hübsch: Zwar geht es nach wie vor durch bewaldetes Gebiet mit vielen schönen Stellen, aber es ist einfach eine Schotterpiste, der wir folgen müssen. Und schließlich warten auch noch 3 km asphaltierte Straße, bis wir wieder bei unserem BCS gelandet sind.
Zuvor entdecken wir aber noch ein kleines Lokal, das sich vor allem durch zwei durchweg krähende Hähne auszeichnet. Zumindest so lange, bis die Gäste auf der Terrasse Platz genommen haben. Die beiden scheinen uns irgendwie gut dressiert zu sein. Oder es ist einfach alles anders hier: Hähne krähen am Abend und Blumen blühen im Winter. Asterix: Die spinnen, die Kanaren!
Cappuccino wird wieder italienisch (aber spanisch interpretiert) also mit Sahne serviert so werde ich belehrt. Alles andere sei kein echter, italienischer Cappuccino. Woww wird schon stimmen, wenn man es derart deutlich manifestiert. Außerdem: Den Roque Nublo gäbe es; es sei der massive Berg da vor uns, aber er sei nicht so zu sehen, wie man ihn immer auf den Bildern sehen würde. Wie auch immer, für uns gibt es ihn einfach nicht.
Der Weg bergab wir hatten ja schließlich eine Höhe von knapp 1600m erklommen - erschließt uns weitere Schönheiten des Inselinneren; irgendwo müssen wir auch den Pico de las Nieves passieren, den höchsten Berg der Insel. Gut getimet, aber völlig unabsichtlich, treffen wir gerade bei Sonnenuntergang auf einem Aussichtsplateau ein, das uns die volle Schönheit der untergehenden Sonne über dem Atlantik präsentiert. Und dank einer optischen Täuschung teilt sich die Sonne kurz vor dem Untergang in zwei ineinanderübergreifende Scheiben; den Effekt hatte ich bis dahin auch noch nicht gesehen.
Und dann hat uns die touristische Realität wieder: der deutsche Sender erklärt, wie man zum Freibier im Keller von einer Kneipe namens Wolpertinger käme, und vor allem, wie man die Kneipe überhaupt finden könne: Ganz einfach, im Einkaufszentrum von Playa del Ingles (oder sonst wo), da an irgendeinem Shop die Treppe runter, dann links und die zweite Tür rechts. Oder so ähnlich. In dieser Art sind dann fast alle Angebote, aber irgendwann stumpfen sogar wir ab.
Im Hotel gibts dann trotz großem Andrang sogar einen Parkplatz, ein Effekt, der sich übrigens an jedem Abend wiederholt. Auch wenn kein Platz frei ist spätestens nach einer Runde um den Parkplatz fährt jemand raus und macht so wieder Platz für uns.
Abendessen ist dann wie schon üblich, nur diesmal im (fast) rauchfreien Wintergarten, und mit Connys frischem Fisch als Starter. Auch daran kann man sich gewöhnen. Und an die abschließende Crème Caramel.
Der Plan für morgen sieht vor, daß wir mit Playa de Güigüi den schönsten, unberührtesten, hawaiianischsten Strand der Insel erwandern. Scheint nicht so einfach zu sein, aber wir werden ja sehen.









