Gran Canaria - Erste Eindrücke

An der Rezeption scheint man uns nur ungern einchecken zu wollen; der einzig Vorhandene ist wenig aktiv und versucht jeden Vorgang mit möglichst maximaler Dauer erledigen zu wollen. Gelingt ihm recht gut. Irgendwann kann er aber nicht mehr umhin, auch mit uns zu sprechen: das Zimmer sei zwar nicht fertig, aber wir könnten ja mal in der Zwischenzeit im Restaurant einen Imbiß einnehmen. Da genießen wir dann das erste Mal die Sonne – am 3. Januar – Lunch im Freien, unter Palmen.

Unser Zimmer liegt im 6. Stock, denken wir (aufgrund der Zimmernummer 624 nicht ganz unlogisch), sind dann aber recht überrascht, als uns der Bellboy auf die erste Etage entführt, und wir unser Zimmer dort finden. Laut Beschreibung haben nur die Etagen über der dritten Meerblick, weswegen ich wieder umziehen möchte (obwohl mir das etwas seltsam erscheint, denn wir haben Meerblick, können ihn aber wegen der Beschreibung ja gar nicht haben). Umzug ist aber nur am nächsten Tag möglich – und da mag dann Conny sicher nicht mehr. Was dazu führt, daß wir einen unbeschriebenen Meerblick vom Balkon aus haben; werden. Immerhin, die Auflösung erhalten wir dann einige Tage später: es gibt Zimmer, die unter dem Eingangsniveau liegen, nicht im Haupthaus und damit auch keinen Blick haben (außer auf die Straße und die davorliegenden Häuser); so lernen wir halt immer wieder dazu.

Jedenfalls sind wir geistig etwas derangiert, versuchen dem Bellboy ein adäquates Trinkgeld zu vermachen, wobei wir uns dann doch etwas genieren, als wir nur einen 2000 Pesetenschein haben. Leider haben wir uns dabei aber in der Anzahl der zu streichenden Nullen etwas veritalienisiert, so daß der Gute dann mit einem reichlich bemessenen Zusatz von etwa 24 DM sich freundlich von uns verabschiedet hat. Wenigstens hat die Verwirrung nur kurz angehalten, denn beim Quercheck der mitgebrachten Devisen ist’s dann doch schnell klargeworden.

Nach der erstmals durchgeführten Siesta – man muß sich ja auch dem Urlaubsland ein bißchen anpassen – meint Conny, mal den Strand besuchen zu müssen. Ein Supermarkt sei da auch auf dem Weg (war auf dem Herweg auch nicht zu übersehen), wo wir noch einiges Vitamin C kaufen könnten. Also – weit ist es ja nicht. Let’s go. Weit nicht, aber über die Küstenstraße, die wenigstens hier durch eine Fußgängerbrücke passierbar ist. Dahinter wird’s dann unbeschreiblich. Eigentlich. Aber dokumentiert werden muß das schon.

Wir hatten uns ja auf viel vorbereitet; aber Jahre ohne organisiertes Reisen haben uns wohl dieser ‘Kultur‘ entfremdet. Was da zu sehen ist, ist einfach unglaublich – trotzdem wahr. So viel idiotischen Krimskrams habe ich wohl mein Leben lang noch nicht gesehen. Wer dieses Zeugs einkauft, kann wohl nur den IQ des gekauften Objekts besitzen; oder darunter. Gut gefallen haben mir auch solche Schilder wie ‚Biermeile‘; da geht dann wohl wirklich die teutonische Kultur ab. Ganztags. Adrett sind auch die Spielhallen mit ihrem dümmlichen Gewimmer, Gekreische und anderen abartigen Geräuschen. Da muß man wohl in den Süden fahren, um das zu genießen. Wir sind jedenfalls schnell wieder draußen, merken uns aber die Lage von Einkaufsmöglichkeiten für Obst und Getränke.

Der Strand – Playa de las Burras, ziemlich symbolträchtiger Name – entschädigt dann doch etwas für das Attentat auf unsere geistige Gesundheit. Ziemlich menschenleer, netter Blick auf die etwas entfernt liegenden Dünen von Maspalomas (Conny: ‚da müssen wir auch mal hin’) und ordentlich ge-rimini-erte leere Liegestühle. Ordnung muß sein. Zeigt auch das Verordnungsschild, mit ca. 8 Verboten. Wovon mir mindestens drei gar nicht eingefallen wären... ein weiterer Beweis für das Sprichwort, daß Reisen bildet.

Nach einem Kurz-Spaziergang geht’s über einen Supermarkt (Bananen, Mandarinen, sonstiges Vitamin C und Wasser) zurück zum Hotel, nicht ohne etwas Genußschaudern beim Durchqueren von drei Stockwerken Einkaufszentrum. Wunderhübsch sind auch die netten Postkarten, mit den ganz witzigen Sprüchen, hochgereckten Hintern und angedeuteten erotischen Darstellungen. Anscheinend etwas für ziemlich Verklemmte, wovon – wenn man vom Anteil dieser an der Gesamtmenge Postkarten schließen kann – es mehr gibt, als andere. Was zwar möglich, aber nicht zu hoffen ist.

Mittlerweile ist unser 624 schon zum temporären Heim geworden. Nach den Erfahrungen unterwegs ist es ganz angenehm, wieder in einer weitgehend eigenbestimmten Umgebung zu sein. Außerdem steht ja auch in Bälde das Abendessen an. Mal sehen, ob es dem Anspruch der 4 ½ Sterne gerecht wird.

Am Eingang zum Restaurant werden wir von einigen Hotelangestellten kritisch gemustert – ob das eine Gesichts-, Zugangs- oder Kleidungskontrolle ist können wir zunächst mal nicht feststellen. Immerhin erkennt uns unser etwas übertrinkgegeldeter Bellboy sofort wieder; hat also schon was für sich, sich mal so zu täuschen. Dann geht’s eher rustikal zu. Auswahl des Platzes ist beliebig; einige Zweiertische sind noch frei und der Kellner nimmt die Bestellung des agua minerale (so schnell lernen wir Spanisch) äußerst effektiv zur Kenntnis, trägt das auf einen Zettel ein und ist wieder verschwunden.

Conny stürzt sich sofort auf die Fischbraterei – richtig edle, schön frische Fische, knusprig angebraten – was will man mehr. Auch das Salat Büffet erweist sich als recht interessant, Soßen en masse, aber auch Leute. Das hatte ich wieder mal total unterschätzt. Offenbar gibt’s momentan in Deutschland – BSE-Krisen-veranlaßt oder nicht – mal gerade wieder nichts zu essen. So voll sind die Teller, so sehr wird am Büffet gedrängelt; obwohl doch wirklich genug für alle da ist. Einige Zeitgenossen erweisen sich dabei als richtig erfinderisch, greifen an mir geduldig Schlangendem vorbei, nehmen auch schon mal den frischgeschnittenen Käse mit der Hand auf – könnte ja sein, daß man sonst nicht genügend bekommt. So ist das Dinner trotz gutem Essen auch mal wieder reich an Erfahrungen.

Ein bißchen trägt dazu natürlich auch die besagte Effektivität des Personals bei. Kaum scheint ein Tisch leer zu sein, wird er schon gesäubert und für die nächsten Gäste vorbereitet. Conny und ich schleichen uns also immer abwechselnd zu den Ressourcen ... bis zum Dessert, wo es gerade für mich die Crème Caramel gibt. Woww, welch ein Abschluß. Auch von den allgegenwärtigen Rauchern lassen wir uns also den Genuß nicht vermiesen. Warum auch?

Draußen begutachten wir mal wieder die wunderhübschen Karten – einige vernünftige sind am Kiosk dann doch dabei – lesen noch ein bißchen in der angebotenen Gran Canaria Literatur und machen uns dann auf, den morgigen Tag zu planen. Zuvor aber sollten alle mitgebrachten eUtensilien an irgendwelche Steckdosen gehängt werden. Vorsichtshalber habe ich natürlich Mehrfachstecker mitgenommen, denn die Hotelinfrastruktur ist bei einem Urlaubshotel sicher nicht an meine gehobenen Erwartungen angepaßt. Ist sie auch nicht. Aber der Stecker auch nicht. Die Spanier verlangen von denen offenbar mehr ‚Tiefgang’, als ein deutscher Schukostecker hergibt. An der Rezeption kann mir dabei auch keiner helfen, wohl aber das Kiosk, wo ich einen Adapter erstehen kann. ePhotos, Handies, Palms – gerettet. Da wir trotz aller emails aber auch noch physikalische Empfänger haben, müssen die zwei einzigen brauchbaren Postkarten mehrfach eingekauft werden. Wann wir die dann schreiben – im Jemen würde es heißen: Insh’Allah.

Für den ersten ganzen Tag nehmen wir uns mal eine Runde mit dem Auto vor – zunächst die Küste entlang, und dann hinauf ins Gebirge, mit einer möglichen Wanderung. Zu den wunderschönen Klängen aus der Bar (Showbetrieb bis 2400 Uhr) schlafen wir dann einfach ein.