Japan -
Tokio Bits

Ankunft in Tokio wie üblich - Menschenmassen, Hektik, grelle Farben am Flughafen Haneda (nicht International, da ich ja nur aus Osaka angekommen bin) und viele Wegweiser zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Shinagawa Station - mein Endpunkt - ist gottseidank nicht allzu weit entfernt, wenigstens deutlich weniger, als vom Internationalen Flughafen.

Das Tarifsystem der öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht ganz einfach. Es gibt mehrere Verkehrsgesellschaften, die kein ‚Ticket-Roaming' können. Also gilt ein Ticket - und ein Fahrplan - nur dort, wohin die Gesellschaft auch fährt. Hier ist das zunächst kein Problem, denn Shinagawa ist ja ein echter Knotenpunkt. Zwar fährt mir, nachdem ich mühsam ein Ticket erstanden habe, der nächste Zug gerade vor der Nase weg, aber ein anderer steht schon bereit. Von dem wird mir aber von einer netten Dame in mühsam radegebrochenen Englisch abgeraten, weil der als Vorortzug überall halten würde. Also nehme ich einen weiteren, der auch etwas besser aussieht. Im Zug herrscht kurz darauf die typisch qualvolle japanische Enge, die mir mit dem Gepäck natürlich ganz besonders viel Freude macht. Dann treffe ich noch einen englisch sprechenden Japaner - eine wirkliche Seltenheit - der mir verspricht, mir vor Shinagawa ein Zeichen zu geben, da ich mich sonst wohl kaum rechtzeitig bis zum Ausgang durchwühlen könnte. Es stellt sich heraus, daß er in den USA studiert und deshalb so gut englisch spricht.

Was bei nahezu niemandem sonst der Fall ist. Immerhin sind fast alle Menschen sehr freundlich und versuchen, zu helfen. Wie die Dame, die zunächst abwehrt (nach dem Motto - kann kein Ausländisch), dann aber sofort kehrt macht und mir das Hotel zeigt.

Dort treffe ich beim Einchecken auf meinen Kollegen Hans, der sich das Leben deutlich leichter gemacht hatte und direkt aus Singapur nach Tokio geflogen kam. Aber auch Kloster und Friedhof verpaßt hat.

Tokio selbst ist ein Monster. Es ist einfach gigantisch groß, trotzdem total voll und unvorstellbar versmogt. Eine derartige Dunstglocke habe ich noch über keiner anderen Stadt gesehen, und auch bei meinen früheren Besuchen war mir das nicht so aufgefallen. Immerhin hat Japan ja das Klimaschutzabkommen blockiert, damit der Gestank noch weiter zu- und die Luftqualität noch weiter abnehmen kann.

Vom ersten Moment in Tokio fühle ich mich einfach unwohl - das Hotel lieblos, dafür aber 39 Stockwerke hoch. Muß wenigstens bei jedem Erdbeben nett schaukeln - Rollercoaster also inklusive. Immerhin gibt es sogar ein ‚continental' Frühstücksbuffet. Nicht nur japanisch. Und alles in einer der nettesten Bahnhofshallen, die ich je gesehen habe: Keine Struktur, die die Lautstärke dämmt, Schallreflexionen vom Boden, von den Wänden, laufend irgendwelche Lautsprecherdurchsagen (wahrscheinlich zwar keine Zugansagen, aber immerhin klingt es danach), und ständiges Gewusel. Der Hauptbahnhof in München ist strukturierter, schöner und leiser.

Und die ganze Stadt - wenigstens das bißchen, das ich diesmal gesehen habe - gehört einfach (sagen wir mal) saniert. Wenngleich das eine Sisyphusarbeit sein dürfte. Da ist nichts mehr, was japanischen oder wenigstens asiatischen Charme ausmacht, nur noch ein einziger Moloch.

Erschwerend kommt wirklich dazu, daß niemand auch nur einigermaßen Englisch spricht, wenngleich sich viele bemühen, der Langnase zu helfen. Auch der Kauf eines Pre-Paid Handies ist damit zu einer intellektuell anregenden Aktion geworden, die aber immerhin erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Nach zwei Tagen mit Meetings ist für Mittwoch der Nachmittagsflug nach Frankfurt gebucht. Und ich nehme einfach einen frühen Bus - ich mag einfach raus aus dem Hotel, raus aus der Stadt, weg aus Japan (auch wenn das die Abflugszeit nicht nach vorne verlegt). Aus irgendwelchen unverständlichen Gründen wird im Bus kontrolliert, ob alle Passagiere ihre Pässe dabei haben (die Pässe selbst schauen sich die Offiziellen nicht an oder gar ein eventuell vorhandenes Flugticket) und am Flughafen soll ich mich in der Schlange genau hinter mein Gepäck stellen, ja nicht daneben, obwohl da mehr als 10m freier Platz sind. Japan - das Land der Regeln, sinnvoll oder nicht.