Swiss Inline Cup 2004

Superorganisation

Schon in Sardinien hatten wir über die Swiss Inline Cup Serie gesprochen und einige Rennen als ganz besonders interessant ausgewählt. Auch hier wollte ich nur einige Rennen, nicht den gesamten Cup fahren.

Sempacher See

Dafür war ich zwar angemeldet, wegen des Sturzes am Wochenende zuvor beim BIC, war aber lange nicht klar, ob ich starten würde. In der Woche zuvor hatte ich mir nur einmal die Skates untergeschnallt - mit wenig Erfolg, dafür mehr Schmerz. Trotzdem sind wir dann zu viert losgedüst: Andrea, Diana, Axel und ich. Wir hatten beschlossen, daß wir die Tour an einem Tag machen würden - knapp 800 km im BMW und 42 auf Rollen. Auch nicht zu verachten.
Je näher wir der Schweiz kamen, desto dunkler wurde der Himmel und kurz vor dem Sempacher-See goß es dann in Strömen. Deutlich reduzierte Geschwindigkeit auf der Autobahn aus Sicherheitsgründen war die Folge und Diana's Statement, daß sie jetzt auch nicht mehr nachmelden müsse. So weit so schlecht - bis ganz kurz vor dem See: Aufklaren, trockene Straße und nur noch furchtbar drohende Wolken am Horizont. So blieb's dann auch die ganze Zeit - am Abend tolles Licht und Sonnenuntergang pur zum Fotografieren.

Für uns SIC-Novizen war die perfekte Organisation schon sehr beeindruckend: Ganz das Gegenteil des Chaos z. B. von Hamburg (wenngleich da am Ende wider Erwarten doch noch alles irgendwie funktioniert hatte).

Beim Einfahren stellte ich fest, daß ich meine Schiene deutlich falsch montiert hatte - und mußte halt 30 Min vor dem Start noch rumhantieren … ist mir auch bis dahin noch nie passiert. Aber da ich in der Woche ja wegen der Verletzung so gut wie nicht gefahren war - naja, sei's drum. Ist alles in time wieder fertig geworden.

Für den Start mußten wir uns dann schon etwas durchwühlen und haben wir uns so schließlich in der Menge verloren.

Und dann ging's für mich wieder mal Richtung Asphalt - zum zweiten Mal innerhalb von 6 Tagen! Direkt am Ende des ersten Schenkels, nach ca. 8 km, wurde mir ein Bordstein zum Verhängnis, der auf der einen Straßenseite keiner war und den ich in meinem Zug einfach nicht gesehen habe. Immerhin bin ich elegant über die Straße geschlittert und kurz vor den Zuschauern zum Halten gekommen. Daß ich danach eine Blutspur hinter mir hergezogen habe machte die Sache nur etwas interessant. Eine ganze Runde von 21 km bin ich dann bewußt allein gefahren - wollte einfach nicht mehr hinter jemand herfahren - und habe damit auch eine Menge Zeit liegen gelassen - aber auch viel Beifall ganz für mich bekommen. So z. B. von einem Alphornbläser oder mittels der überdimensionalen Kuhglocken. Erst am Ende konnte ich mich wieder aufraffen, zunächst zu einer Zweiergruppe, dann zu dritt und schließlich inmitten einer kleinen Gruppe, die fast geschlossen ins Ziel kam. Unter den Umständen bin ich auch mit meiner Zeit von 1:33 noch zufrieden.

Ganz toll aber, daß sowohl Andrea (zum ersten Mal unter 1:30) und Axel persönliche Bestzeiten aufgestellt haben.

Nach dem Rennen habe ich dann mal den schweizer Sanitätsservice getestet - etwas schwierig, da ich erst einen Bogen ausfüllen sollte, was wegen meiner altersbedingten Lese- und Schreibschwäche nur indirekt möglich war - der Kollege war ganz schön baff, als ich ihn bat, den Bogen für mich auszufüllen… Die Behandlung war dann richtig nett und ziemlich umfassend. Ich bekam an diversen Extremitäten nette Verbände und sah damit dann wieder mal richtig martialisch aus. Irgendwie ist in dem ganzen Durcheinander die Rückenverletzung nicht behandelt worden - war auch nur eine Abschürfung (mit großem Loch im neuen SIC-Shirt) - die dann etwas später schön zu eitern begonnen hat.

Jedenfalls wars bis auf den Sturz ein toller Event, auch wenn wir erst nach 2:00 zu Hause waren; für Axel und seine Mitfahrerinnen wurde es noch länger, da sie ja noch nach München mußten.

Fotostrecke

Fotos zum Nachbestellen

Engadin

Zwei Wochen nach dem Sempacher See war zwar meine Diagnose gestellt - aber kein Arzt hatte mir explizit Startverbot erteilt … also, Teilnahme doch wieder obligatorisch. Ganz besonders auch wegen der netten Gruppe, die sich angesagt hatte: Diana hatte ihren Michael dabei (zwangs-entskatet nach Knie-OP) und dann war da noch Eberhard - den ich erst dort kennengelernt habe. Michael hatte ein nettes Hotel rausgesucht - eine bessere Lösung, als ein Ein-Tagesausflug wie zuvor.

Der Freitag war noch etwas hektisch und so mußte ich mich sputen, um noch vor 20:30 anzukommen (Limit für Ausgabe eines Abendessens - die Schweizer gehen offenbar früh zu Bett). Hinderlich war die tolle Landschaft (jede Serpentine lädt zu einem Fotostop ein), behilflich dagegen die Straße (die meinen BMW ausreizen hilft, da ja kein Beifahrer stört…). Für Samstag hatten wir ein kurzes Einfahren vorgesehen und dann frühzeitige Fahrt zum Village in St. Moritz.
Beim Einfahren trafen wir einen sehr drahtigen, sportlichen Nordic Skater, mit dem wir noch ein bißchen quatschten: Nein, er fährt im Sommer nur zum Spaß, weil er ja im Winter in der Loipe ist. Ja, den Engadin Ski-Marathon sei er heuer gefahren in irgendwas knapp über 2:20. Frage: Und wie alt bist Du eigentlich? Tja - Schock: 75 Jahre. So möchten wir alle in dem Alter noch drauf sein!

Das Village haben sie ganz mondän neben das Palace Hotel und die Spielbank gestellt - zwar auf die andere Straßenseite, aber immerhin… Axel's Müslibestellung konnte ich leider nicht erfüllen (es gab nur Proben, aber nichts zu kaufen) und ein neues T-Shirt wollten sie mir auch nicht spendieren; trotz nachgewiesener Verletzung und Nachwehen von Sempach. So gab's halt gegen ein Minientgelt von 10 sfr ein neues - aber das hätten sie mir auch gleich sagen können.
Nach der Fahrt nach Maloja zum Start haben wir dann irgendwie den Eberhard verloren - er ist dann später aber wieder aufgetaucht, nachdem er zeitweises Asyl auf dem Campingplatz gesucht hat. Das Einfahren hielt sich dann in engen Grenzen, insbesondere auch wegen des schlänglichen Andrangs zu den wenigen (Damen-)Toiletten. 30-45 Minuten Wartezeit waren da schon einzukalkulieren … und Diana wollte ja auch nicht auf den letzten Drücker los (wie auch immer das zu interpretieren ist). Unsere Stehpinkelanlagen sind da schon deutlich effektiver. Vom Hubschrauber wurden wir noch vor dem Start gefilmt, mit und ohne la-ola Welle und später dann auch noch begleitet.

Das Rennen ist schnell erzählt - so schnell, daß die gigantische Landschaft einfach vorbeifliegt, ohne Genuß. Noch war ich etwas wackelig auf den Beinen, wollte partout nicht schon wieder stürzen und war demnach auch nicht immer im Top-Speed. Ganz besonders nicht auf der gefürchteten Abfahrt, die ich fälschlicherweise als zeit-neutral eingestuft hatte. Und mich dann wunderte, als alle an mir vorbeidüsten. Nachschlag im Regelwerk bei der 87. Fußnote: Neutralisation heißt nur, daß nicht attackiert werden darf … also - nächstes Mal erst lesen.
Wenigstens habe ich so meine Gruppe verloren und durfte ziemlich lange allein fahren resp. führen. Was mir als außerordentlich begnadeter Bergziege ganz besonders bei der Steigung nach Pontresina eine Freude war. Und danach, als sich keine homogene Gruppe mehr vor mir traf, sondern hinter mir einordnete. Erst ab 5 km vor dem Ziel funktionierte dann noch eine kleine Dreiergruppe. Immerhin hat es - wie zu erhoffen - zu meiner persönlichen Bestzeit von 1:23:34 gereicht.

Auch Eberhard war mit dem Ausgang des Rennens sehr zufrieden: Personal best, auch bei ihm.
Diana hatte zunächst auch eine richtig gute Zeit - bis sie bei km 34 in einen Massensturz von etwa 15 Skatern verwickelt wurde; auch hier keine Chance, den Sturz zu vermeiden. Fazit: Kennenlernen eines Krankenhauses und neben Prellungen und Schürfungen noch deutliche Probleme im Ellbogen.

Für's nächste Jahr steht dieser Event ganz hoch oben auf meiner Prioritätenliste. Zu schön, um ihn auszulassen; da würde im Skate-Jahr ein absolutes Highlight fehlen.

Fotostrecke

Fotos zum Nachbestellen

Marquartstein